Hauptkläranlage Wien

In Simmering, am topografisch tiefsten Punkt Wiens, nahe der Mündung des Donaukanals in die Donau, liegt die Hauptkläranlage der Stadt Wien. Hier wird das gesamte kommunale Abwasser Wiens gereinigt. An Tagen mit Trockenwetter kommt das auf mehr als 500.000 m³. Diese Menge entspricht der Wasserführung eines mittleren Flusses. Das Abwasser durchströmt in etwa zwanzig Stunden die mechanische und die beiden biologischen Reinigungsstufen der Anlage, bevor es geklärt in den Donaukanal abläuft.

In den Jahren 2000 bis 2005 wurde die Hauptkläranlage Wien erweitert. Die Erweiterung erfolgte dabei durch die Errichtung einer zweiten biologischen Reinigungsstufe zur Stickstoffelimination (Nitrifikation und Denitrifikation), die an die seit 1980 bestehende biologische Reinigungsstufe anschließt. Unter Anwendung der neuesten Technik wird mit einer erhöhten Reinigungsleistung ein wesentlicher Beitrag zum Wiener Abwassermanagement geleistet, damit Wien weiterhin als internationale "Umweltmusterstadt" bezeichnet werden kann.

Mechanische Reinigungsstufe

Das über die Hauptsammelkanäle zufließende Abwasser wird im Schotterfang von den mineralischen Grobstoffen, wie Schotter und Kies befreit.

Schneckenpumpen heben das Abwasser auf Anlagenniveau hoch, damit es die Anlage im natürlichen Gefälle durchfließen kann.

In der Rechenanlage werden mit den Feinrechen die Schwimm- und Schwebstoffe abgeschieden. Das Rechengut wird nach der Entwässerung in geschlossenen Containern zur Verbrennung gebracht. Im nachfolgenden Sandfang setzen sich feinere Feststoffe, Sand und Asche ab. Auch das Sandfanggut wird nach der Entwässerung verbrannt.

Die letzte Stufe der mechanischen Reinigung des Abwassers erfolgt in den Vorklärbecken, auf die es durch die Zulaufgerinne aufgeteilt wird. Durch Verringerung der Fließgeschwindigkeit setzen sich die im Abwasser verbliebenen Schwebstoffe als Primärschlamm am Boden der Becken ab. Dieser Schlamm wird durch Räumer in Sammelrinnen geschoben und zu den Eindickern gepumpt. Durch die mechanische Reinigung des Abwassers lassen sich bereits bis zu 30 % der Schmutzstoffe entfernen.

Erste biologische Reinigungsstufe

Die folgende biologische Reinigung entspricht dem Vorbild der biologischen Selbstreinigung natürlicher Gewässer. In den Belebungsbecken bauen Mikroorganismen, die als "Belebtschlamm" bezeichnet werden, die gelösten, vornehmlich organischen Verunreinigungen ab. Der für den Abbauprozess benötigte Sauerstoff wird durch Kreiselbelüfter eingetragen.

Die Phosphatfällung mit Eisen(III)sulfat erfolgt durch Zudosierung in den Belebungsbecken.

In den Zwischenklärbecken erfolgt die Trennung des Belebtschlammes vom vorgereinigten Abwasser. Die Mikroorganismen setzen sich mitsamt dem aufgenommenen Schmutz als Belebtschlamm ab. Ein Teil des Schlammes (Rücklaufschlamm) wird in die Belebungsbecken rückgeführt, um die Anreicherung mit Mikroorganismen zu beschleunigen und den Abbauprozess intakt zu halten. Der Überschussschlamm wird in die Eindicker gepumpt.

Das Abwasser fließt über die Zahnschwellen aus den Zwischenklärbecken in ein Gerinne, welches in die zweite biologische Reinigungsstufe führt.

Zweite biologische Reinigungsstufe

Der Ablauf der ersten Belebungsstufe und der Rücklaufschlamm aus der zweiten Belebungsstufe werden dem Zwischenpumpwerk zugeleitet, von wo mit Propellertauchmotorpumpen Abwasser und Schlamm in ein gemeinsames - mit Mischelementen ausgestattetes - Gerinne gepumpt wird.

Wegen der Aufteilung des Abwasserstroms nach der Vorklärung erfolgt auch in diesem Bereich eine Phosphatfällung mit Eisen(III)sulfat.

Im Verteilbauwerk wird der Abwasserstrom gleichmäßig auf die 15 Belebungsbecken der zweiten Stufe aufgeteilt, die baulich in drei Blöcken zusammengefasst sind. Jedes Belebungsbecken der zweiten Stufe besteht aus drei Beckenkaskaden. Die erste Kaskade bildet dabei ein vorgeschaltetes, unbelüftetes Denitrifikationsbecken, dem zwei nacheinander durchflossene Umlaufbecken (Kaskade 2 und 3) nachgeschaltet sind, in denen eine simultane Nitrifikation und Denitrifikation erfolgt. Propeller-Rührwerke sorgen für eine gleichmäßige Strömung und Durchmischung im Belebungsbecken. Die Belebungsbecken sind mit feinblasigen Tiefenbelüftern ausgestattet und es ist möglich, das belüftete Volumen an die Temperatur und die Schmutzfracht anzupassen. An jedes Belebungsbecken schließt eine Entgasungszone an, aus dem das zugehörige Nachklärbecken beschickt wird.

In den 15 runden Nachklärbecken erfolgt die Trennung des gereinigten Abwassers vom Belebtschlamm. Jedes Nachklärbecken ist mit Doppelräumern und getauchten Ablaufrohren ausgestattet und weist einen Durchmesser von 64 m auf. Ein Teil des Schlammes wird in die Belebungsbecken rückgeführt (Rücklaufschlamm), um die Anreicherung mit Mikroorganismen zu beschleunigen und den Abbauprozess intakt zu halten. Der Überschussschlamm wird in die Eindicker gepumpt. Der Ablauf der Nachklärung fließt über das Auslaufgerinne in den Donaukanal. Ein Teil des nitrathältigen Ablaufes wird bei Trockenwetter in die erste Stufe unter Ausnutzung der dortigen Denitrifikationskapazitäten zurückgeführt. 

Klärschlammbehandlung

In den Klärschlammeindickern werden Primär- und Überschussschlamm gemeinsam unter Einfluss der Schwerkraft auf einen Trockensubstanzgehalt von ca. 4 % eingedickt und anschließend zur Schlammbehandlung gepumpt. Nach Entwässerung in Zentrifugen wird der Klärschlamm in Wirbelschichtöfen bei 850°C verbrannt.

Reinigung der Abluft

Um Geruchsbelästigung zu vermeiden, wurden Schotterfang, Schneckenpumpen, Sandfang und Klärschlammeindicker sowie die Schlammrinnen abgedeckt. Die Entlüftung dieser Anlage erfolgt über Biofilter.

Mitarbeiter leisten ihren Beitrag zum Umweltschutz

Das qualifizierte Personal der Hauptkläranlage Wien sorgt rund um die Uhr für die Funktion der Anlage und die Steuerung der komplexen Vorgänge. Die Mitarbeiter im entsprechend ausgestatteten Labor überwachen die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerte.

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